Ist passiv dampfen schädlich?
Rund um E-Zigaretten

Passivdampfen – eine Gefahr für die Mitmenschen?

Dass das Rauchen herkömmlicher Zigaretten durch das Einatmen einiger tausend Chemikalien nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für seine Mitmenschen ist, ist mittlerweile unbestritten. In der Wissenschaft wird von dem sogenannten Nebenstrom gesprochen. Dieser bezeichnet das Verglühen der chemischen Substanzen zwischen den einzelnen Zügen. Zugegebenermaßen gibt es keine wissenschaftlich nachgewiesenen Grenzwerte, es handelt sich bei den Angaben zum Passivrauchen vielmehr um Schätzungen.

Passivrauchen bei E-Zigaretten – gibt es das?

Eigentlich müsste man hier von Passivdampfen sprechen. Doch auch dieser Begriff ist abwegig, denn bei E-Zigaretten tritt das Phänomen des Nebenstrahles nicht auf. Das aus einem einfachen Grund: der Verdampfungsmechanismus der Nikotinflüssigkeit entsteht nur durch das gezielte Inhalieren des Konsumenten.

Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, lassen sich in dem Nebenstrom wesentlich mehr Schadstoffe vorfinden als im Hauptstrom. Dies bedeutet, dass das Einatmen des Rauches einer brennenden Zigarette noch schädlicher ist als direkte Inhalation.

Die Anzahl der chemischen Verbindungen beläuft sich auf mehrere Tausend, womöglich sogar mehr als 10.000. Auf der gasförmigen Ebene lassen sich da zum Beispiel Stickoxide, Acetaldehyd, Pyridin, Nitrosamine benennen, auf der molekularen Ebene solche wie Phenole, Kohlenwasserstoffe (PAK), Schwermetalle oder Pyridin-Alkaloide. Die meisten dieser Begriffe mögen einem Normalsterblichen nicht viel sagen, zeigen aber wie stark das Ausmaß ist.

Bei E-Zigaretten sieht die Situation ganz anders aus. Im Dampf (Aerosol) wurden weitaus weniger Substanzen festgestellt, wobei sich durch die wenigen chemischen Verbindungen auch viel einfacher belegbare Aussagen treffen lassen. Mehrere E-Zigaretten-Studien (Studie 1, Studie 2, Studie 3) haben herausgestellt, dass im Dampf keiner der unter anderem zuvor aufgeführten Giftstoffe gefunden werden konnte, mit einer Ausnahme: Nikotin. Doch das ist kein Grund zur Beunruhigung. Zum einen soll die Auswirkung etwa zehn mal geringer auf  „Passivdampfer“ sein als bei einer herkömmlichen Zigarette, zum anderen verleiben rund 98 % des Nikotins in der Lunge des Inhalierenden.

Beispielstudie

In einer 2014 von unter anderem dem Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchgeführten Studie wurde die Passivrauchbelastung durch E-Zigaretten untersucht. Von insgesamt neun männlichen Probanden dampften jeweils drei Probanden über einen Zeitraum von zwei Stunden „in einem natürlich belüfteten Innenraum“ nikotinfreie und nikotinhaltige Liquids. Die folgenden Substanzen wurden dabei in der Raumluft in „erhöhter Konzentration“ festgestellt:

  • 1,2-Propandiol (6 Sitzungen: ø 199 µg/m3)
  • Glycerin (6 Sitzungen: ø 73 µg/m3)
  • Nikotin (3 Sitzungen: ø 2 µg/m3)
  • Benzylalkohol (6 Sitzungen: ø 5 µg/m3)
  • Formaldehyd (1 von 6 Sitzungen: ø 55 µg/m3)

Als Schlussfolgerung wurde gezogen, dass E-Zigaretten nicht emissionsfrei sind und die Raumluft (Zitat: „..wenn auch in geringerem Umfang als Filterzigaretten”) belasten können. Doch was haben uns die Werte nun zu sagen?

1,2-Propandiol: Propylenglycol ist eine vielseitig eingesetzte Flüssigkeit, die unter anderem in Hautcremes, Kaugummis oder Zahnpasta zum Einsatz kommt und neben dem Einsatz als Feuchthaltemittel sogar eine antimikrobielle Wirksamkeit aufweist, also zum Beispiel Bakterien hemmen kann. Selbst in Asthmasprays und in Krankenhäusern zur Raumluftdesinfektion kommt dieses zum Einsatz. Propylenglycol wird als Lebensmittelzusatzstoff (E 1520) geführt und gilt als unschädlich für den Menschen. ADI-Wert: 25 mg/kg. Der ADI-Wert beziffert, bis zu welcher Menge Fremdstoffe in Lebensmitteln täglich und lebenslang aufgenommen werden können, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Glycerin: Auch Glycerin wird als Lebensmittelzusatzstoff (E 422) geführt, kommt nicht nur als Feuchtigkeitsspender in Kosmetikartikeln zum Einsatz, sondern weit gestreut in Lebensmitteln wie Fleisch- oder Schokoladenerzeugnissen, Kaugummis usw. Es gibt dabei keine (!) Höchstmengenbeschränkung, die Hersteller dürfen also Glycerin in freier Menge hinzufügen. ADI-Wert: nicht festgelegt. Der ADI-Wert beziffert, bis zu welcher Menge Fremdstoffe in Lebensmitteln täglich und lebenslang aufgenommen werden können, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen

Nikotin: definitiv ein Thema für sich. Bislang wurde die inhalative Nikotinaufnahme ausschließlich in Verbindung mit dem Konsum von Tabakzigaretten betrachtet. Dass Nikotin ein hohes Suchtpotenzial hat, ist unbestritten und wird durch die Zusatzstoffe in einer herkömmlichen Zigarette noch verstärkt. Fakt ist jedoch, dass Nikotin an sich weder krebserregend, noch verantwortlich für Lungen- oder Herz-Kreislauferkrankungen ist.

Benzylalkohol: Ebenfalls Benzylalkohol ist ein Lebensmittelzusatzstoff (E 1519), kommt auch in der Natur vor (beispielsweise in Nelkenöl, Jasminöl oder grünem Tee). Er wird für die Herstellung von Aromen verwendet und ist damit in Cocktails und Likören, aber auch zahlreichen Süßigkeiten enthalten. Beim E-Zigaretten-Konsum wird damit eine verstärkte Aromenentwicklung bewirkt, durch die konservierende Wirkung reinigt Benzylalkohol aber auch den Verdampfer und sorgt damit für eine längere Haltbarkeit. ADI-Wert: 5 mg/kg. Der ADI-Wert beziffert, bis zu welcher Menge Fremdstoffe in Lebensmitteln täglich und lebenslang aufgenommen werden können, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Formaldehyd: dazu bitte den nachfolgenden Abschnitt lesen. In lediglich einer Sitzung konnte Formaldehyd nachgewiesen werden. Gut und gerne kann es zu einer Fehlanwendung gekommen sein, indem etwa die Heizwendel überhitzt wurde.

Wir sind also all diesen Substanzen tagtäglich ausgeliefert, nehmen diese bewusst in unserem Körper auf (wenn auch möglicherweise unwissentlich). Betrachtet man einmal die den Lebensmittelzusatzstoffen zugeordneten ADI-Werte, so wirken die in der Auswertung der Studie festgehaltenen Werte ein wenig lächerlich.

Aber.. die Medien sagen doch was anderes?

Besonders im vergangenen Jahr stürzten sich die Medien wieder auf Studien, die herausstellen, wie vermeintlich schädlich die Nutzung von E-Zigaretten doch ist. Eine dieser getroffenen Aussagen möchte ich hier einmal exemplarisch aufgreifen:

Eine im „New England Journal of Medicine” veröffentlichte Studie bestätigt die Ergebnisse der Japaner. Darin stellen Forscher sogar einen bis zu 15-fach höheren Formaldehydwert in E-Zigaretten im Vergleich mit herkömmlichem Tabak fest.

Die Aussage basiert auf der hier nachzulesenden Studie. Während das renommierte Fraunhofer-Institut in einer früheren Studie keine Freisetzung von Formaldehyd bei der Verwendung von E-Zigaretten feststellen konnte, möchte diese Studie also genau das Gegenteil herausstellen. Im zweiten Abschnitt der Zusammenfassung lässt sich folgende Aussage vorfinden: „Here we present results of an analysis of commercial e-liquid vaporized with the use of a “tank system” e-cigarette featuring a variable-voltage battery“. Wie hier deutlich zu lesen ist, basieren die Ergebnisse auf der Verwendung von EINER E-Zigarette.

Demnach wurde bei einer eingestellten Spannung von 3,3 Volt keine erwähnenswerten Formaldehydwerte festgestellt, während bei 5,0 Volt plötzlich eine erstaunlich hohe Dosis festgestellt wurde. Es werden also anhand einer E-Zigarette völlig unverhältnismäßige Rückschlüsse gezogen. Eine unsachgemäße Anwendung der Forscher liegt hier nahe. Der Autor vom rursus-Blog hat sich zu dieser Thematik sehr treffend geäußert.

Während zuvor also nur wage Vermuten zur Schädlichkeit der E-Zigaretten aufgestellt wurden (hätte/könnte/wäre..), sind einzelne veröffentlichte Studien, oftmals mit einem anzuweifelnden Wahrheitsgehalt, ein gefundenes Fressen für die Medien. Außer Acht gelassen wird dabei, dass bislang einige hundert Studien veröffentlicht wurden, die Gegenteiliges beweisen. Ich habe in der Presse noch keinen einzigen Artikel gelesen, der sich differenziert mit dieser Thematik auseinandersetzt und eine sachgemäße Zusammenfassung vornimmt. Keineswegs möchte ich hiermit aussagen, dass die Nutzung von E-Zigaretten gesundheitsundschädlich ist, doch eines möchte ich zum Ausdruck bringen: traue keiner Statistik (Studie), die du nicht selbst gefälscht hast.

Bildquelle: https://de.fotolia.com/id/43005105 Urheber: M.Dörr & M.Frommherz

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