Rauchen aufhören mit E-Zigarette
Anfänger-Guide

Ist das Rauchen aufhören mit E-Zigaretten möglich?

Vorweg sei zu erwähnen, dass eine E-Zigarette generell keineswegs als probates und selbstläuferisches Mittel zum kompletten Nikotinentzug gedacht ist, obwohl es viele Ex-Raucher auf diesem Weg versuchen und oft auch Erfolg haben, was nicht zuletzt in einer engen Verbindung mit der sukzessiven Verringerung des Nikotingehaltes steht. In erster Linie handelt es sich hier um eine Suchtverlagerung, bei der ein gewohntes Ritual fortgeführt wird.

Fernab von der ebenfalls spannenden Frage, ob mithilfe einer E-Zigarette die Sucht komplett aufgegeben werden kann, möchte ich mich in diesem Artikel der Frage widmen, ob das Rauchen aufhören mit einer E-Zigarette möglich ist.

Was macht das Verlangen nach einer Zigarette aus?

Grundsätzlich lässt sich das Verlangen nach einer Zigarette in zwei verschiedene Arten einteilen:

  • körperliche Abhängigkeit
  • psychische Abhängigkeit

Die körperliche Abhängigkeit zeichnet vor allem dadurch aus, dass eine Nikotinsucht besteht. Dies resultiert in vereinfachter Form daraus, dass das Belohnungszentrum in unserem Gehirn durch bestimmte Stoffwechselveränderungen besonders aktiv wird. Alles was uns gefällt verankert sich im Unterbewusstsein, was auch das Ausschlaggebende an den ganzen (legale und illegalen) Suchtstoffen ist.

Es ist jedoch nicht nur das Nikotin, das für eine schnelle Sucht verantwortlich ist. Vielmehr ist es die Verbindung mit anderen Tabakstoffen. Wenn du in der Presse also auf einen Artikel stößst, der bei einer E-Zigaretten all die negativen Auswirkungen von Nikotin in der Vordergrund stellt, so muss hier differenziert werden. Ein Eins zu Eins Vergleich mit dem Nikotinkonsum durch Tabakzigaretten ist an dieser Stelle also unangebracht, da sich durch die verschiedenen Zusatzstoffe bei der Verbrennung ein ganz anderes Verhalten ergibt.

Es handelt sich hierbei um ein sehr heikles Thema, das auch in der Wissenschaft immer wieder für Kontroversen sorgt und bislang keineswegs ausgeforscht ist. Doch wie bei allen Suchtstoffen gilt: die Menge macht es.

Die psychische Abhängigkeit macht deutlich, wie stark doch auch unser Gehirn in diesen Vorgang involviert ist. Es ist die Macht der Gewohnheit, die verlauten lässt, dass eine Zigarette nach dem Essen oder an einem feucht-fröhlichen Abend unverzichtbar ist.

Raucher verbinden den Tabakkonsum eng mit Alltagsereignissen wie Stress, Ablenkung, Geselligkeit oder Anregung, womit die psychische Abhängigkeit für viele Menschen noch stärker ins Gewicht fällt als die körperliche Abhängigkeit, da hier noch etwas “tiefer gearbeitet werden muss”.

Inwiefern kann eine E-Zigarette dieses Verlangen ersetzen?

Ich möchte mich an dieser Stelle einer 2013 veröffentlichten Studie widmen, bei der neuseeländische Forscher die Wirksamkeit von E-Zigaretten als Mittel zur Raucherentwöhnung untersuchten. Die Voraussetzungen für die insgesamt 657 teilnehmenden Probanden waren ein Mindestalter von 18 Jahren sowie das Ziel mit dem Rauchen aufhören zu wollen.

Verfahrensweise:

Als Ersatzmittel für die Zigarette kamen bei dieser Studie E-Zigaretten mit einem Nikotingehalt von 16 mg/ml, Nikotinpflaster sowie nikotinfreie E-Zigaretten zum Einsatz. Verteilt wurden diese auf die Probanden im Verhältnis von 4:4:1, womit 292 Personen jeweils eine nikotinhaltige E-Zigaretten erhielten, ebenfalls 292 Personen sich mit Nikotinpflaster vergnügen mussten und die restlichen Probanten, 73 Stück an der Zahl, eine nikotinfreie E-Zigarette erhielten. Diese Einteilung geschah zufällig und ohne Berücksichtigung des vorherigen Rauchverhaltens.

Ablauf:

Nach einer Eingewöhnungsphase von einer Woche wurden die Probanten dazu aufgefordert das Rauchen fortan einzustellen, nach einem, drei und sechs Monaten ihr zu diesem Zeitpunkt vorhandenes Rauchverhalten anzugeben sowie jeweils einen Kohlenmonoxid-Atemtest zur Verifizierung vorzunehmen.

Ergebnisse:

Die Auswertung der nach sechs Monaten beendeten Studie brachte ein interessantes Ergebnis. Dieser Anteil der Probanten hatte mit den jeweiligen Ersatzmitteln das Rauchen komplett eingestellt:[wpsm_list type=“check“]

  • nikotinhaltige E-Zigarette: 7,3 % der Probanten
  • Nikotinpflaster: 5,8 % der Probanten
  • nikotinfreie E-Zigarette: 4,1 % der Probanten[/wpsm_list]

Weitergehend hat dieser Anteil der Probanten mit den jeweiligen Ersatzmitteln das Rauchverhalten um mindestens die Hälfte reduziert:[wpsm_list type=“check“]

  • nikotinhaltige E-Zigarette: 57 % der Probanten
  • Nikotinpflaster: 41 % der Probanten
  • nikotinfreie E-Zigarette: 45 % der Probanten[/wpsm_list]

Interessant ist dabei auch zu sehen, dass die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Entwöhnung bei allen drei Ersatzmitteln in den ersten Tagen nach Beginn der Studie sehr stark abnahm, zum dem Ende der Studie (sechs Monate) hin verlaufend jedoch immer konstanter wurde, was ein weiteres Indiz dafür ist, dass die Rauchentwöhnung in diesem Zeitraum besonders schwer zu handhaben ist. Die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Rauchabstinenz lag bei den mit nikotinhaltigen E-Zigaretten ausgestatteten Probanten zudem konstant über dem Wert der mit den anderen beiden Ersatzmitteln ausgestatteten Probanten.

Fazit – Rauchen aufhören mit E-Zigarette:

Die Studie zeigt, dass die E-Zigarette ein hilfreiches Mittel zur Rauchentwöhnung sein kann, wenn es einem Raucher zu schwer fällt, komplett aufzuhören. Dennoch ist dieser auch zu entnehmen, dass es immerhin mehr als 35 % der nikotinhaltigen E-Zigaretten verwendenden Probanden nicht geschafft hat, den Tabakkonsum um mindestens die Hälfte zu senken.

Dies lässt sich meines Erachtens nach vor allem mit der psychischen Abhängigkeit in Verbindung bringen, die ich weiter oben erläutert habe. Für viele Umsteiger oder zumindest alle diejenigen, die es einmal versuchen, kann eine E-Zigarette (im „Anfangsstadium“) einfach nicht das bieten, was sie vom normalen Rauchen gewöhnt sind. Dies fängt schon damit an, dass die Nikotinaufnahme viel langsamer verläuft als bei Tabakkonsum. Diese Umstellung muss also zunächst einmal im Kopf erfolgen. Eine E-Zigarette kann also lediglich auf die körperliche Abhängigkeit einwirken.

Sicherlich ist es vielen Rauchern auch einfach zu umständlich sich erst einmal über die Funktionsweise, die korrekte Anwendung und weitere relevanten Fakten zu informieren, die für die Nutzung von E-Zigaretten wichtig sind. Neben der Eingewöhnungsphase gilt es auch viel zu experimentieren, um das für sich passende Rauchverhalten zu entwickeln. Die Verwendung von E-Zigaretten erfordert zudem viel Planung. Denn was macht ein Raucher wohl, wenn der Akku der womöglich einzigen E-Zigarette im persönliche Sortiment plötzlich leer ist und die nächste Tankstelle nicht weit entfernt ist? Es lässt sich als deutlich feststellen: der Wille zählt! Eben dieser oft fehlende Wille, der das Rauchen aufhören so schwer macht.

Bildquelle:  https://de.fotolia.com/id/80269656 Urheber: Knut Wiarda

4 thoughts on “Ist das Rauchen aufhören mit E-Zigaretten möglich?

  1. Ich habe es mit einer e Zigarette geschafft komplett mit dem Rauchen aufzuhören. Es hat zwar 5 Monate gedauert allerdings hatte ich keine entzugserscheinungen. Am Anfang Liquids mit Fruchtgeschmack (nach ein paar Tage riecht eine normale Zigarette auch eckelhaft) und einen hohen Nikotingehalt, dann irgendwann die low genommen. Seit 2 Jahren rauche ich entweder e Zigarette noch normal (ich war 10 Jahre lang Raucher). Man muss es wollen dann klappt es auch und klar lässt die Motivation mit der Zeit nach. Immer das Ziel vor den Augen halten!

  2. Hallo,
    ich habe nach ca. 30 Jahren rauchen, im Februar 2011 auf die E-Zigarette umgestellt. Schnell hatte sich eine Suchtverlagerung eingestellt. Dampfen ist überall möglich und nach jetzt 5 Jahren e-zigarette, stelle ich fest dass meine Sucht irgendwie immer grösser geworden ist. Körperlich hat sich zwar anfangs einiges geändert, besserer Geschmack, weniger Husten und Muskelschmerzen, aber ich habe auch zugenommen und ein ewiges räuspern – ich fühle praktisch wie das liquid meine flimmerhärchen in der Lunge verklebt. Wenn ich in Raucherkneipen gehe, kriege ich Atemnot und könnte von dem Gestank fast kotzen insofern ist die e-zigarette auf jedenfall eine alternative, doch jetzt habe ich das Gefühl hiervon, ob mit oder ohne Nikotin, nicht mehr loszukommen.

    1. Das mit dem Räuspern haben viele. Schonmal probiert auf ein Liquid mit mehr VG-Anteilen umzusteigen? Erstmal 50/50.
      Den Nikotingehalt runterzuschrauben ist eine wirksame und nicht schwere Methode. Viele Dampfer haben es geschafft dadurch auf 0 mg zu kommen und dampfen nur noch aus Spaß am Hobby oder gar nicht mehr.

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